Der Kofel – Warum das „Matterhorn Oberammergaus“ das perfekte Saisonziel ist

Wenn im März die ersten kräftigen Sonnenstrahlen den Wintermuff aus den Tälern vertreiben, beginnt für uns Wanderfreunde die schönste, aber auch tückischste Zeit des Jahres. Während in den schattigen Nordwänden und in den Hochlagen der Ammergauer Alpen noch meterhoch der Schnee liegt, locken die sonnenverwöhnten Südhänge bereits mit trockenem Fels und ersten Frühlingsboten.

Es gibt kaum einen Gipfel, der dieses Frühlingsgefühl so verkörpert wie der Kofel. Mit seinen 1.342 Metern ist er zwar kein Riese, aber seine markante, spitze Form, die majestätisch über Oberammergau thront, hat ihm den Beinamen „Matterhorn der Ammergauer“ eingebracht. Für alle, die nach der Winterpause die ersten Höhenmeter sammeln wollen, ist der Kofel das ideale Ziel.

Warum der Kofel im März?

Die Wahl des richtigen Berges ist im Vorfrühling entscheidend. Wer zu hoch hinaus will, versinkt im tiefen Sulzschnee oder steht plötzlich vor vereisten Altschneefeldern, die ohne Steigeisen lebensgefährlich sein können. Der Kofel hingegen bietet einen entscheidenden Vorteil: Sein Hauptaufstieg liegt so exponiert, dass die Sonne hier ganze Arbeit leistet.

Während man unten im Dorf noch die Jacke fest verschließt, kommt man beim Aufstieg durch die lichten Buchenwälder schnell ins Schwitzen. Das Beste: Man hat das Ziel – den exponierten Gipfelfels – fast während der gesamten Tour im Blick. Das motiviert ungemein, besonders wenn die Beine nach der Winterpause noch etwas schwer sind.

Der Aufstieg: Von der Mariengrotte zum Gipfelfels

Unsere Tour startet am Wanderparkplatz am Döttenbühl (nahe dem Friedhof) in Oberammergau. Schon hier wird klar, warum diese Region so besonders ist. Der Blick schweift über die kunstvoll bemalten Häuser (Lüftlmalerei) hinauf zu den schroffen Kalkfelsen.

Der Weg führt zunächst sanft ansteigend über weite Wiesen, bevor er in den Wald eintaucht. Ein absolutes Highlight im ersten Drittel der Tour ist die Mariengrotte. Diese in den Fels gehauene Andachtsstätte verströmt eine unglaubliche Ruhe. Viele Wanderer halten hier kurz inne, zünden eine Kerze an oder genießen einfach die kühle, feuchte Luft, die aus dem Fels strömt, bevor es an die eigentlichen Serpentinen geht.

Der Pfad windet sich nun in zahlreichen Kehren den Hang hinauf. Das Gelände ist steil, aber der Weg ist bestens ausgebaut. Hier zeigt sich der Frühling von seiner besten Seite: Zwischen den braunen Vorjahresblättern recken die ersten Schneeglöckchen und Leberblümchen ihre Köpfe hervor. Der Duft von feuchter Erde und harzigem Nadelholz ist das beste Parfüm für jeden Outdoor-Fan.

Das furiose Finale: Ein Hauch von Klettersteig

Was den Kofel so beliebt macht, ist sein Gipfelaufbau. Sobald man den sogenannten „Kofelsattel“ erreicht, ändert sich der Charakter der Tour. War es bisher eine klassische Bergwanderung, wird es nun alpin. Der letzte Anstieg zum Gipfelkreuz ist mit Drahtseilen versichert.

Keine Sorge: Man braucht hierfür in der Regel kein komplettes Klettersteigset, aber eine gute Portion Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind Pflicht. Gerade im März können die Felsen durch Schmelzwasser noch feucht und rutschig sein. Hier gilt: Lieber einmal mehr zugreifen und die festen Wanderschuhe mit gutem Profil ausspielen.

Das Gefühl, sich am Stahlseil den Fels emporzuarbeiten, gibt einem das Gefühl von echter Bergsteiger-Abenteuerlust, ohne dass man ein Profi sein muss. Und dann, nach ein paar beherzten Tritten, steht man oben.

Das Gipfelglück: Logenplatz über dem Ammertal

Der Gipfel des Kofel ist schmal. Hier ist kein Platz für Fußballfelder, sondern für echtes Gipfelflair. Der Blick nach unten auf Oberammergau ist atemberaubend – die Häuser wirken wie aus einer Spielzeugschachtel. Im Süden ragen die Großen auf: Das Wettersteingebirge mit der Zugspitze zeigt sich oft noch im strahlend weißen Winterkleid, was einen herrlichen Kontrast zum bereits grünen Tal bildet.

Man sieht das Band der Ammer, das sich durch das Tal schlängelt, und den gegenüberliegenden Laber, der mit seiner Seilbahn ebenfalls ein beliebtes Ziel ist. Aber der Kofel fühlt sich ehrlicher an – man hat ihn sich Schritt für Schritt erarbeitet.

Wichtige Sicherheitstipps für den Vorfrühling

Auch wenn der Kofel als „einfach“ gilt, darf man die Jahreszeit nicht unterschätzen. Hier sind drei Dinge, die ihr für eure März-Tour beachten solltet:

  1. Vorsicht vor „Schwarzeis“: In schattigen Mulden auf dem Kofelsattel kann sich tückisches Eis halten, das unter einer dünnen Schicht Matsch verborgen ist. Nehmt im März sicherheitshalber Grödel (Leichtsteigeisen für Wanderschuhe) mit im Rucksack mit. Sie wiegen fast nichts, sind aber Gold wert, wenn man auf eine vereiste Stelle trifft.

  2. Ausrüstung: Der Zwiebellook ist Pflicht. Im Aufstieg in der Sonne reicht oft ein T-Shirt, aber oben am Gipfel pfeift oft ein eisiger Wind aus den Hochalpen herüber. Eine winddichte Jacke und eine Mütze gehören unbedingt ins Gepäck.

  3. Zeitplanung: Im März wird es zwar schon später dunkel als im Dezember, aber die Sonne verschwindet hinter den Ammergauer Bergen sehr plötzlich. Startet eure Tour so, dass ihr spätestens um 16:00 Uhr wieder am Auto seid, um nicht in die kühle Dämmerung zu kommen.

Kultur und Genuss nach der Tour

Ein Besuch in Oberammergau ohne einen Abstecher in den Ort wäre eine Sünde. Nach dem Abstieg (der über den gleichen Weg oder als kleine Variante über den Königssteig erfolgen kann) laden die Cafés im Zentrum zur Belohnung ein.

Ein Stück hausgemachter Apfelstrudel beim „Kofel-Blick“ schmeckt nach einer erfolgreichen Besteigung doppelt so gut. Wer noch Energie hat, kann durch die Gassen schlendern und die berühmten Holzschnitzereien bewundern. Oberammergau ist weltberühmt für seine Passionsspiele, aber für uns Wanderer ist es vor allem das Tor zu einem der schönsten Reviere im bayerischen Alpenvorland.

Fazit

Der Kofel ist der perfekte „Wachmacher“ für die Wandersaison 2026. Er bietet alles: Wald, Kultur, ein bisschen Nervenkitzel am Drahtseil und ein Panorama, das süchtig macht. Er ist die ideale Tour für alle, die in der Garmischer Ecke unterwegs sind und ein Ziel suchen, das auch im frühen Frühjahr meist schon sicher machbar ist.

Packt die Wanderschuhe ein, schnappt euch die Kamera und stattet dem stolzen Wächter von Oberammergau einen Besuch ab. Wir sehen uns am Gipfel!

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