Der stille Nachbar der Kampenwand
Jeder kennt sie, die markanten Felszacken der Kampenwand. Sie ist das Wahrzeichen des Chiemgaus und zieht an sonnigen Wochenenden Heerscharen von Wanderern an. Doch wer den Blick nur ein Stück weiter nach Osten schweift, entdeckt einen Gipfel, der oft zu Unrecht im Schatten seiner berühmten Nachbarin steht: die Hochplatte (1.586 m).
Für alle Leser von hobbyfisch.de, die Natur lieber in Ruhe genießen statt im Gänsemarsch zu wandern, ist die Hochplatte im Februar und März ein absoluter Geheimtipp.
Warum die Hochplatte?
Während es an der Kampenwand am Gipfelaufbau oft eng und felsig zugeht, bietet die Hochplatte eine breite, aussichtsreiche Gipfelflur. Von hier oben hast du einen der spektakulärsten Ausblicke auf den Chiemsee – das „Bayerische Meer“ liegt dir förmlich zu Füßen. Dreht man sich um 180 Grad, blickt man tief hinein in die Zentralalpen und zum Kaisergebirge.
Die Tour im Überblick
- Startpunkt: Wanderparkplatz in Marquartstein/Piesenhausen oder bequem mit der Hochplattenbahn (ein nostalgischer Doppelsessellift, der allein schon die Reise wert ist).
- Aufstieg: Von der Bergstation der Sesselbahn führt ein gut ausgebauter Forstweg zunächst Richtung Staffn-Alm. Von dort geht es über Serpentinen und schmalere Pfade hinauf zum Gipfel.
- Dauer: Ab der Bergstation ca. 1,5 bis 2 Stunden; vom Tal aus ca. 3,5 Stunden.
Besonderheiten im Spätwinter (Februar)
Obwohl die Hochplatte kein extrem schwieriger Berg ist, hat sie im Februar ihre Tücken:
- Schneelage: In den schattigen Mulden unterhalb des Gipfels hält sich der Schnee oft bis weit in den Mai. Gamaschen sind aktuell ratsam, um keine nassen Füße zu bekommen.
- Einkehr-Check: Die Staffn-Alm nahe der Bergstation ist bekannt für ihre hervorragende Küche. Prüfe vorab die Öffnungszeiten – im Winter ist sie oft nur an den Wochenenden und bei Liftbetrieb bewirtschaftet.
- Ausrüstung: Wie bereits in unserem Artikel über Grödel erwähnt, solltest du diese unbedingt im Rucksack haben. Der Pfad durch den Wald kann morgens extrem vereist sein.
Naturschutz-Regeln: Ruhezone für das Auerwild
Die Region rund um die Hochplatte und den benachbarten Friedenrath ist ein wichtiges Rückzugsgebiet für das seltene Auerwild.
- Bleib auf den Wegen: Das Verlassen der markierten Pfade ist hier besonders im Winter kritisch, da das Aufschrecken der Vögel in der kargen Jahreszeit deren Todesurteil bedeuten kann.
- Hunde an die Leine: Auch wenn dein Hund brav ist – der Geruch eines Raubtiers stresst die Wildtiere enorm.
Fazit
Die Hochplatte bietet „Kampenwand-Feeling“ ohne den Massenauflauf. Es ist eine ehrliche, konditionell fordernde, aber technisch unkomplizierte Tour, die mit einem der besten Panoramablicke Bayerns belohnt wird.
