Münchens verwunschenes Wohnparadies

Wer an der vielbefahrenen Dachauer Straße in Moosach entlangfährt, ahnt kaum, welches architektonische Juwel sich hinter den hohen Mauern verbirgt. Tritt man jedoch durch eines der Tore in die Borstei, lässt man den Lärm der Großstadt augenblicklich hinter sich. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise in ein München, das Kunst, Wohnkomfort und Natur perfekt vereint.

Die Vision des Bernhard Borst

Anfang der 1920er Jahre hatte der Architekt und Bauunternehmer Bernhard Borst eine revolutionäre Idee: Er wollte eine Wohnsiedlung schaffen, die nicht nur funktional war, sondern die Lebensqualität der Bewohner ins Zentrum rückte. Sein Ziel war ein „Wohnen wie im Schloss, aber für den einfachen Mann“. Zwischen 1924 und 1927 entstand so ein Ensemble aus 77 Häusern mit über 700 Wohnungen, das heute unter Ensembleschutz steht.

Ein Freilichtmuseum für den Alltag

Was die Borstei so einzigartig macht, ist die Liebe zum Detail. Borst war ein Kunstmäzen, und das sieht man an jeder Ecke. Die Siedlung ist durchzogen von:

  • Thematischen Gärten: Jeder Innenhof ist anders gestaltet – mal streng geometrisch, mal wild-romantisch.
  • Brunnen und Skulpturen: Überall plätschert Wasser aus kunstvoll verzierten Brunnen, und Skulpturen bekannter Künstler säumen die Wege.
  • Architektonischen Finessen: Erker, Rundbögen und liebevoll gestaltete Fassaden geben jedem Gebäude einen individuellen Charakter.

Innovation von damals: Luxus für alle

Für die damalige Zeit war die Borstei ihrer Zeit weit voraus. Es gab eine zentrale Heizanlage (das erste Fernheizwerk Münchens!), eine zentrale Großwäscherei und sogar einen eigenen Fuhrpark für die Bewohner. Borst wollte den Alltag erleichtern, damit mehr Raum für das „Schöne“ blieb.

Ein Ort der Stille und Gemeinschaft

Heute ist die Borstei eine begehrte Wohnadresse und ein Paradies für Spaziergänger. Man wandert durch Torbögen von einem Garten in den nächsten, vorbei an Rosenbeeten und alten Statuen. Es herrscht eine fast andächtige Stille, die nur vom Vogelgezwitscher unterbrochen wird.

Tipps für deinen Besuch:

  1. Respekt bewahren: Die Borstei ist kein Museum, sondern ein lebendiges Wohnquartier. Bleib auf den öffentlichen Wegen und respektiere die Privatsphäre der Bewohner.
  2. Das Borstei-Museum: In einem der Innenhöfe gibt es ein kleines, feines Museum, das die Geschichte der Siedlung und ihres Erbauers zeigt (Öffnungszeiten vorher prüfen!).
  3. Anreise: Am besten mit der Tram (Linie 20/21) bis zur Haltestelle „Borstei“.

Fazit: Die Borstei ist der Beweis, dass Architektur mehr sein kann als nur Beton und Glas. Sie ist eine Hommage an die Lebensfreude und ein absoluter Pflichtbesuch für jeden, der das „andere“, leisere München entdecken möchte. Ein perfektes Thema für einen entspannten Sonntags-Post auf hobbyfisch.de!