Ankunft am Polarkreis – Erste Nacht in Rovaniemi
Der Abendhimmel über Helsinki färbt sich langsam in ein tiefes Grau, als wir zurück am Flughafen sind. Unser Anschlussflug in den finnischen Norden steht bevor: um 20:15 Uhr hebt die Maschine ab, Ziel: Rovaniemi, das Tor zu Lappland, die offizielle „Heimatstadt des Weihnachtsmanns“ – und unser Ausgangspunkt für die kommenden Tage.
Mit dem Wissen, dass wir bald nördlich des Polarkreises stehen würden, mischt sich Vorfreude mit einer stillen Neugier. Wie kalt wird es sein? Wie dunkel? Wird der Schnee knirschen oder gefroren glänzen wie Glas? Fragen, die nur ein Winter in Finnland beantworten kann.
Rovaniemi: Landung in der arktischen Nacht
Nach einem ruhigen, knapp einstündigen Flug setzen wir zur Landung an. Draußen ist es längst Nacht, und während das Flugzeug langsam an Höhe verliert, zeigt der Blick aus dem Fenster eine zauberhafte Winterlandschaft: Weiß, so weit das Auge reicht. Schneebedeckte Tannen, von Laternen orange angestrahlt, wirken wie aus einem Weihnachtsfilm. Die Landebahn ist vereist, doch der Pilot setzt so sanft auf, dass man es kaum spürt.
-16 °C – das ist das Erste, was uns auf der Anzeigetafel am Terminal auffällt. Und das Zweite: wie unkompliziert alles hier abläuft. Kaum haben wir das Gate verlassen, stehen wir auch schon direkt vor dem Gepäckband, und keine drei Meter weiter sehen wir die Schalter der Autovermietungen. Alles nah, alles übersichtlich – typisch finnisch: praktisch, klar, durchdacht.
Mietwagen in Minuten
Wir hatten bereits im Voraus einen Mietwagen reserviert – das ist hier oben Pflicht, denn ohne fahrbaren Untersatz ist man in Lappland ziemlich eingeschränkt. Doch was uns positiv überrascht: Wir müssen nicht warten. Keine Minute nach dem Anstellen stehen wir schon am Schalter. Die Formalitäten sind rasch erledigt – der Mitarbeiter begrüßt uns freundlich, erklärt kurz die Bedingungen, reicht uns den Schlüssel. Fünf Minuten – so schnell ging das noch nie.
Als wir uns umdrehen, um auf unser Gepäck zu warten, kommen auch schon die ersten Koffer über das Band gerollt. Timing wie im Film. Der Mitarbeiter, der uns das Auto vermietet hat, lächelt uns an und sagt: „Ich warte noch kurz, dann begleite ich Sie raus.“ Das sei kein Problem – er habe sowieso nur noch uns auf seiner Liste. Wir nicken dankbar. In dieser Kälte sind ein paar extra Minuten Service Gold wert.
Ein warmgelaufener Empfang
Draußen empfängt uns die Kälte wie ein fester Handschlag. Die Luft ist klar und beißend, aber auch rein und still. Kein Wind, kein Lärm – nur dieses arktische Schweigen, das man nicht kennt, wenn man aus einer Großstadt kommt. Unser Mietwagen steht schon bereit. Der Motor läuft, der Innenraum ist angenehm temperiert. Der nette Mitarbeiter verabschiedet sich mit einem „Hyvää yötä!“ – Gute Nacht – und wir sind allein.
Es ist ein SUV mit Allradantrieb, robust und bestens geeignet für die verschneiten Straßen. Auf den Winterreifen glitzern noch Eiskristalle. Ein kurzer Check – alles da, alles funktioniert. Und dann rollen wir los. Willkommen in Lappland.
Fahrt durch die weiße Stille
Die Straße vom Flughafen zur Unterkunft ist kurz – vielleicht 15 bis 20 Minuten – aber sie gibt bereits einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Beide Seiten gesäumt von tief verschneiten Wäldern, Fichten und Kiefern, die sich unter der Schneelast verneigen. Der Schnee reflektiert das schwache Licht der Straßenlaternen – es wirkt, als ob der Boden selbst leuchten würde.
Die Orientierung fällt leicht. Kaum Verkehr, klare Beschilderung, gut geräumte Straßen. Wir rollen durch die Nacht, reden leise, fast ehrfürchtig. Der erste Moment im echten Winter fühlt sich an wie eine andere Welt. Und irgendwie ist es das auch.
Einchecken und Ankommen
Unsere Unterkunft liegt etwas außerhalb, in einem der typischen roten Holzhäuser, die man aus skandinavischen Reisemagazinen kennt. Die Fenster sind klein, aber hell erleuchtet. Ein dünner Rauchfaden steigt aus dem Schornstein. Drinnen ist es warm, wohlig – ein echter Kontrast zur Eiseskälte draußen.
Der Empfang ist herzlich. Unsere Gastgeberin spricht ein paar Worte Englisch, reicht uns den Schlüssel und zeigt uns kurz alles Wichtige. Die Einrichtung ist schlicht, aber gemütlich: helle Holzwände, dicke Decken, ein kleiner Holzofen. Eine Kanne heißer Tee steht bereit. Wir atmen auf. Nach einem langen Tag voller Eindrücke fühlt sich dieser Ort wie ein Anker an.
Die erste Nacht unter dem Polarhimmel
Draußen herrscht absolute Stille. Kein Verkehr, keine Stimmen – nur das gelegentliche Knacken des Schnees, wenn irgendwo ein Ast unter der Last bricht. Wir treten noch einmal vor die Tür, eingepackt in alle Schichten, die wir finden konnten. Über uns ein Himmel, klar und weit, übersät mit Sternen. Die Polarlichter bleiben heute noch aus – aber allein dieser Anblick ist magisch.
Drinnen legen wir die nassen Stiefel ab, schlüpfen in Wollsocken, lassen uns aufs Bett fallen. Der Körper ist müde, aber der Kopf randvoll mit Eindrücken. Die Kälte hat uns frisch gemacht, die Ruhe hat uns geerdet. Und als wir schließlich das Licht löschen, spüren wir eine Ruhe, wie wir sie lange nicht mehr gefühlt haben.
Ausblick
Am nächsten Tag wartet eine lange Autofahrt auf uns – tiefer hinein ins finnische Lappland, durch unendliche Wälder, vorbei an zugefrorenen Seen, durch kleine Dörfer und vorbei an Rentierwarnschildern. Doch für diese Nacht heißt es erst einmal: ankommen, runterfahren, schlafen. Finnland hat uns empfangen – freundlich, ruhig, effizient. Ganz genau so, wie wir es uns erhofft hatten.