Bernau am Chiemsee – Wandern, Durchatmen und Entspannen am Bayerischen Meer
Es gibt Orte, die man gar nicht groß bewerben muss, weil sie für sich selbst sprechen. Bernau am Chiemsee gehört ganz sicher dazu. Der kleine Luftkurort am Südwestufer des Chiemsees bietet alles, was das Herz eines Natur- und Wanderfreundes höherschlagen lässt: Wasser, Berge, Moor und jede Menge frische Luft. Wir haben uns an einem sonnigen Herbsttag auf den Weg gemacht, um Bernau zu entdecken – und wurden nicht enttäuscht.
Zwischen See und Gipfel – Ein Ort mit zwei Gesichtern
Bernau liegt eingebettet zwischen dem glitzernden Chiemsee im Norden und dem imposanten Bergmassiv der Chiemgauer Alpen im Süden. Besonders auffällig: der markante Gipfel der Kampenwand, der wie ein steinernes Wahrzeichen über dem Ort thront. Schon bei der Anfahrt über die Autobahn A8 oder mit der Bahnlinie Rosenheim–Salzburg erhascht man den ersten Blick auf diese landschaftliche Kulisse, die beinahe kitschig schön wirkt – aber eben nur beinahe, denn hier ist alles echt.
Während man am Seeufer in aller Ruhe spazieren oder mit dem Boot hinausfahren kann, warten südlich von Bernau abwechslungsreiche Wanderwege mit Panoramablicken, Almwiesen und schroffen Höhenzügen. Für uns war klar: Wir wollten beides erleben.
Auf historischen Spuren durchs Moor
Am Vormittag zog es uns zunächst in die Kendlmühlfilzen, ein ausgedehntes Moorgebiet östlich von Bernau. Einst wurde hier in großem Stil Torf abgebaut, heute ist die Landschaft ein geschütztes Refugium für seltene Pflanzen, Vögel – und ruhesuchende Spaziergänger. Der alte Torfbahnhof, ein stiller Zeitzeuge vergangener Tage, wirkt fast wie ein Freiluftmuseum und lädt dazu ein, kurz innezuhalten.
Die Wege durch das Moor sind gut ausgeschildert und barrierearm. Es duftet nach feuchtem Holz, nach Erde, nach Natur. Besonders schön: An einigen Stellen wurden kleine Aussichtsplattformen errichtet, von denen man weit über das Gelände blicken kann. Gerade im Herbst, wenn der Nebel über den Filzen hängt und die Farben gedämpft sind, entsteht hier eine fast mystische Stimmung.
Rauf zur Kampenwand – oder zumindest ein Stück
Am frühen Nachmittag war es Zeit für ein bisschen Höhenluft. Natürlich wäre eine komplette Bergtour auf die Kampenwand verlockend gewesen, doch da wir es gemütlich angehen wollten, entschieden wir uns für eine leichtere Rundwanderung entlang der unteren Hänge. Startpunkt war die Talstation der Seilbahn in Aschau, nur wenige Minuten von Bernau entfernt.
Der Weg führte uns über Forststraßen, kleine Waldpfade und vorbei an urigen Almhütten. Immer wieder eröffnete sich der Blick zurück auf den See, der in der Ferne funkelte. Das Licht spielte zwischen den Bäumen, und wir waren gefühlt allein unterwegs. Kein Lärm, keine Hektik – nur wir, der Wald, und das leise Rauschen der Blätter im Wind.
Zurück am See – Abendstimmung in Bernau
Nach der Wanderung fuhren wir zurück ans Chiemseeufer, wo sich der Tag ganz besonders schön verabschiedet. Der Strand von Bernau ist einer der ruhigeren am See. Kein Vergleich zu den überlaufenen Uferabschnitten in den Sommermonaten. Jetzt, in der Nachsaison, war es fast menschenleer – nur ein paar Schwäne zogen ihre Bahnen und zwei Kinder warfen Steine ins Wasser. Die Stimmung: friedlich.
Wer will, kann hier Tretboote oder Kajaks mieten oder mit einem der Schiffe der Chiemsee-Schifffahrt zur Herreninsel übersetzen. Der Blick hinüber auf das Schloss Herrenchiemsee, das einst von König Ludwig II. erbaut wurde, ist eindrucksvoll – besonders im Abendlicht, wenn die letzten Sonnenstrahlen die Insel in ein goldenes Leuchten tauchen.
Fazit – Bernau ist mehr als nur ein Zwischenstopp
Viele kennen Bernau nur als Autobahnabfahrt oder Bahnhof auf dem Weg in die Berge oder nach Salzburg. Dabei lohnt sich der Stopp allemal – nein, mehr noch: Bernau ist ein Ort, der ganz bewusst als Ziel angesteuert werden sollte. Ob man durch das Moor streift, auf die Almen wandert oder einfach am See die Seele baumeln lässt – hier spürt man, was „Luftkurort“ wirklich bedeutet.
Und wer einmal hier war, wird vermutlich wiederkommen. Denn Bernau hat das gewisse Etwas – und das kommt ganz ohne Lärm oder Spektakel aus.






